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zur frühkindlichen Zweisprachigkeit

 

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„Zweisprachigkeit?
Was ist das eigentlich?“

Zweisprachigkeit ist...

"Machst Du mir
die τσάντα zu?"
Sprachen in Kontakt

"Ich will deine
doofe Sprache nicht!"

Zweisprachige Entwicklung

7. Auflage 2016! Ratgeber der Verfasserin dieser Seiten:



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"Man kann nicht
immer konsequent sein."
Zweisprachige Erziehung

"Es kommt auch
auf das Umfeld an."

Zweisprachigkeit
im Kontext sozialer Netzwerke

"Ein zweisprachiger Kindergarten
wäre optimal!"

Mehrsprachigkeit im Bildungssystem

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 Es kommt auch auf das Umfeld an.“
Zweisprachigkeit im Kontext sozialer Netzwerke

In die folgenden Ausführungen sind Ergebnisse einer empirischen Studie eingeflossen, in der hundert Mütter aus griechisch-deutschen Familien interviewt wurden: griechische Mütter in Deutschland und deutsche Mütter in Griechenland, d.h., dass die Mutter jeweils die Nichtumgebungssprache sprach.

Menschliche – und somit auch zweisprachige – Entwicklung und Erziehung vollzieht sich nicht nur innerhalb der Familie, sondern wird auch durch andere Menschen, z.B. Verwandte, Freunde, Nachbarn, etc. beeinflusst. Sie stellen das soziale Netzwerk einer Person, z.B. der Mutter oder des Kindes, dar.

Folgende Eigenschaften sozialer Netzwerke sind für den Verlauf zweisprachiger Entwicklung und Erziehung bedeutsam:

Sprachliche Zusammensetzung des Netzwerkes

Der Erwerb der Umgebungssprache verläuft meist problemlos, weil genügend sprachliche Vorbilder und Möglichkeiten der Verwendung dieser Sprache im sozialen Umfeld, in den Medien, im Kindergarten etc. vorhanden sind. Der Erwerb der Nichtumgebungssprache kann dagegen mit Schwierigkeiten verbunden sein, weil sie im Umfeld des Kindes nicht selbstverständlich präsent ist. Daher spielen Personen, die diese Sprache spre­chen, eine wichtige Rolle in der zweisprachigen Entwicklung eines Kindes. Sie bieten außerhalb der Familie sprachliche Vorbilder und Möglichkeiten, die Sprache zu hören und zu gebrauchen. Die Nichtumgebungssprache bekommt so einen größeren Stellenwert für das Kind. Es erkennt, dass nicht nur seine Mutter oder / und sein Vater diese Sprache spricht. Dies spiegelt sich auch in einer geringeren Quote von Verweigerungen des Gebrauchs der Nichtumgebungssprache bei Kindern mit vergleichsweise vielen Kontakten zu Nichtumgebungssprachlern (60%) im Vergleich zu solchen mit wenigen Kontakten (92%).
Zweisprachige Entwicklung
 


 

Die sprachliche Zusammensetzung des sozialen Netzwerkes beeinflusst auch die Eltern. Ihnen fällt es in einem Netzwerk, in dem ein Großteil der Personen nur die Umgebungssprache versteht, oftmals schwer, konse­quent in ihrem Spracherziehungsverhalten zu bleiben: Viele Menschen empfinden es als unhöflich, wenn eine Sprache gesprochen wird, die sie nicht verstehen (egal, ob das gesagte sie betrifft oder nicht). In ihrer Gegenwart wechseln daher viele Eltern (hier: 64%) auch im Gespräch mit ihrem Kind in die Sprache der Umgebung:

Eine deutsche Mutter in Athen:
„Die Spracherziehung sollte konsequent sein, aber bei uns war das nicht immer so. Das ganze Umfeld war griechisch, so dass ich oft mit den Kindern griechisch gesprochen habe, damit sich die anderen nicht ausgeschlossen fühlten. Es ist eine Gratwanderung zwischen Höflichkeit und Konsequenz.“

In Gegenwart von Personen, die selbst die Nichtumgebungssprache sprechen, ist ihre Verwendung dagegen ganz natürlich und selbstverständlich. Durch einen hohen Anteil an Nichtumgebungssprachlern im Netzwerk wird deshalb ein konsequentes Spracherziehungsverhalten und die allgemeine Zufriedenheit mit dem Verlauf der zweisprachigen Entwicklung und Erziehung unterstützt (hier: 40% Konsequenz und 64% Zufriedenheit bei hohem, 12% Konsequenz und 29% Zufriedenheit bei niedrigem Anteil).
Zweisprachige Erziehung

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Möglichkeiten des Austausches und der Beratung

Auch Kontakte zu Personen, die selbst Erfahrungen mit Zweisprachigkeit haben – sei es, weil sie selbst zweisprachig sind, oder weil sie auch in einer gemischtsprachigen Ehe leben – wirken sich auf das Spracherziehungsverhalten und die allgemeine Zufrie­denheit mit der zweisprachigen Situation positiv aus (hier: 54% Konsequenz und 73% Zufriedenheit bei hohem, 40% Konsequenz und 17% Zufriedenheit bei niedrigem Anteil). In ihrer Gegenwart wird Zweisprachigkeit als Normalität erlebt, werden Spracherziehungsmodelle, Ratschläge und Infor­mationen geboten und generell das Gefühl vermittelt, dass schwierige Pha­sen des zweisprachigen Ent­wicklungs- und Erziehungs­prozesses keine Aus­nahme dar­stellen.

Eine deutsche Mutter in Athen:
„Austausch mit Bekannten, die selbst Erfahrung mit Zweisprachigkeit haben, ist sehr wichtig. Es tröstet einen in schweren Stunden.“

Eine griechische Mutter in München:
„Mit 2;5 Jahren antwortete sie oft auf Deutsch. Wir hatten Zweifel, habe dann aber be­schlossen, konse­quent zu bleiben. Dabei halfen auch Gespräche mit einer Freundin, die selbst Erfahrung hatte.“

Kontakte & Austausch

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Einstellungen sozialer Netzwerke gegenüber Zweisprachigkeit

Einstellungen des sozialen Netzwerkes gegenüber Zweisprachigkeit haben einen Einfluss auf die Zufriedenheit der Eltern mit der zweisprachigen Situation. Ein hoher Anteil an positiv eingestellten Personen im Netzwerk erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die betroffenen Eltern insgesamt zufrieden mit dem Verlauf der zweisprachigen Entwicklung und Erziehung sind (hier: 67%; dagegen 32% mit niedrigem Anteil).

Die Einstellungen, die in einem sozialen Netzwerk herrschen, scheinen vom Prestige der Nichtumgebungssprache nur in geringem Maße beeinflusst. Unterschiede, die sich auf Länderebene nachweisen lassen – deutsche Mütter in Griechenland erleben überwiegend eine Wertschätzung gegenüber der Nichtumgebungssprache deutsch, während Griechinnen in Deutschland gegenüber dem Griechischen eher eine ablehnende Haltung erfahren (Zweisprachigkeit ist... ) – finden sich in einem Vergleich der sozialen Netzwerke in Griechenland vs. Deutschland kaum wieder. Dies deutet u.a. erstens darauf hin, dass die betroffenen Eltern bewusst Kontakt zu positiv eingestellten Personen suchen, und zweitens, dass sie die Personen, die sich per Rolle im Netzwerk befinden (z.B. Verwandte) indirekt oder direkt beeinflussen: Soziale Netzwerke sind veränderbar.

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Die Veränderbarkeit sozialer Netzwerke

Soziale Netzwerke bestehen (zumindest in modernen Gesellschaften) nur zum Teil aus sozialen Beziehungen, die durch Rollen festgeschrieben sind – z.B. Verwandte, Nachbarn. Andere – z.B. Ehepartner, Freunde, Bekannte – werden in das Netzwerk einer Person durch diese selbst hinein gewählt. Somit sind soziale Netzwerke keine feststehende Konstrukte. Menschen sind nicht passiv in sie eingebettet, sondern haben die Möglichkeit, diese zumindest teilweise selbst zu gestalten.

Zudem sind soziale Netzwerke beeinflussbar: Indem Personen in Kontakt mit zweisprachigen Familien stehen, machen sie persönliche Erfahrungen mit Zweisprachigkeit und erleben diese als etwas selbstverständliches. Eventuell vorhandene Vorurteile bauen sich ab.
Empfehlungen für Eltern

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