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zur frühkindlichen Zweisprachigkeit

 

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„Zweisprachigkeit?
Was ist das eigentlich?“

Zweisprachigkeit ist...

"Machst Du mir
die τσάντα zu?"
Sprachen in Kontakt

"Ich will deine
doofe Sprache nicht!"

Zweisprachige Entwicklung

7. Auflage 2016! Ratgeber der Verfasserin dieser Seiten:



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"Man kann nicht
immer konsequent sein."
Zweisprachige Erziehung

"Es kommt auch
auf das Umfeld an."

Zweisprachigkeit
im Kontext sozialer Netzwerke

"Ein zweisprachiger Kindergarten
wäre optimal!"

Mehrsprachigkeit im Bildungssystem

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„Ein zweisprachiger Kindergarten wäre optimal!“
Mehrsprachigkeit im Bildungssystem

In die folgenden Ausführungen sind Ergebnisse einer empirischen Studie eingeflossen, in der hundert Mütter aus griechisch-deutschen Familien interviewt wurden: griechische Mütter in Deutschland und deutsche Mütter in Griechenland, d.h., dass die Mutter jeweils die Nichtumgebungssprache sprach.

Innerhalb zweisprachiger Entwicklungs- und Erziehungsprozesse stellt ein an Einsprachigkeit orientiertes Bildungssystem, welches kaum Möglichkeiten nichtumgebungssprachiger Förderung bietet, eines der größten Probleme dar. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Europaschulen und vereinzelte zweisprachige Kindergärten) konzentriert sich die institutionelle Förderung in Deutschland auf die deutsche Sprache und zusätzlich auf solche Sprachen, denen ein hohes Prestige zugeschrieben wird, z.B. Englisch und Französisch. Griechisch-deutsche, türkisch-deutsche, polnisch-deutsche ... Einrichtungen sind dagegen eine Seltenheit. Der Eintritt eines zweisprachig aufwachsenden Kindes in einen einsprachigen Kindergarten wirkt sich nachhaltig auf

aus. Die bildungspolitische Konsequenz daraus müsste eine stärkere Orientierung des Bildungssystems an Zweisprachigkeit sein.

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Zweisprachige Entwicklung

Die sprachlichen Fähigkeiten, die ein Kind in seinen ersten Lebensjahren erworben hat, werden im Kindergarten in Kommunikation mit Kindern und Erzieher/innen und durch Spiele, Lieder, Bücher etc. weiterentwickelt und ausdifferenziert. Eine Sprachförderung im Kindergarten, die an den bereits erworbenen Sprachfähigkeiten anknüpft, ist für zweisprachige Kinder nicht selbstverständlich. Für sie stehen meist nur einsprachige Einrichtungen zur Verfügung, in denen nur ein Teil ihrer bis dahin erworbenen sprachlichen Mittel gefördert wird, nämlich die umgebungssprachlichen. Die weitere zweisprachige Entwicklung des Kindes hängt somit von ihm selbst, seinen Eltern und sozialen Netzwerken ab.
Zweisprachigkeit im Kontext sozialer Netzwerke

Der Eintritt in den einsprachigen Kindergarten ist für viele zweisprachige Kinder mit der Empfindung verbunden, dass außerhalb der Familie nur die Umgebungssprache gefragt und wichtig ist. Dies führt in vielen Fällen dazu, dass Kinder den Gebrauch der Nichtumgebungssprache gegenüber ihren Eltern verweigern (hier: 84% in einsprachigen, dagegen 58% in zweisprachigen Einrichtungen). Sie erkennen keine Notwendigkeit und keinen Sinn, eine Sprache zu sprechen die – nach ihrer Wahrnehmung – sonst keiner spricht.

Eine deutsche Mutter in Thessaloniki:
„Bei Eintritt in den Kindergarten fing es an, dass er mir auf Griechisch antwortete. Da hatte er auch nur noch ein griechisches Umfeld. Vorher hatte er nur deutsch gesprochen.“

Eine griechische Mutter in München:
„Mit Eintritt in den Kindergarten fing das an, dass er auf Deutsch antwortete und fast nur deutsch sprach.“

In einem zweisprachigen Kindergarten dagegen werden beide Sprachen des Kindes gleichberechtigt gefördert. Kinder (und Eltern) erleben hier die Verwendung beider Sprachen als etwas natürliches und selbstverständliches, und das ist für die zweisprachige Entwicklung von großer Bedeutung.

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Zweisprachige Erziehung

Indem die Dominanz der Umgebungssprache im einsprachigen Kindergarten die Verweigerung der Nichtumgebungssprache durch das Kind hervorruft, beeinflusst sie indirekt auch das Erziehungsverhalten der Eltern:

Eine griechische Mutter in Berlin:
„Am Anfang habe ich nur griechisch gesprochen. Das hat sich geändert, als er in den Kindergarten gekommen ist. Da hat er nur die deutsche Sprache gehört, und je mehr er die sprach, desto schwieriger wurde es für mich, griechisch mit ihm zu sprechen. Er hörte ja alles auf Deutsch. Als er dann zur Schule kam, habe ich ganz mit dem Griechisch aufgehört.“

Die sprachliche Ausrichtung des Kindergartens hat auch einen direkten Einfluss auf das Spracherziehungsverhalten der Eltern. Die häufig skeptische Haltung gegenüber Zweisprachigkeit von Erzieher/innen und Eltern in einsprachigen Einrichtungen stellt ein großes Problem für zweisprachig erziehende Eltern dar:

Eine griechische Mutter in Berlin:
„Am Anfang habe ich konsequent griechisch gesprochen, bis er mit 3 Jahren in den Kindergarten kam. Der Kindergarten war das Problem. Es war nicht gern angesehen, und das hat mich ins Schwanken gebracht. Sofort, wenn was war – z.B. hat er Lieder oft nur mitgesprochen, ohne Melodie – , kam die Frage von den Erzieherinnen, ob das nicht an der Zweisprachigkeit läge. Auch andere Mütter haben zu ihm gesagt: Du musst deutsch sprechen! Das war das Jahr, als ich, wenn ich mit denen zusammen war, immer deutsch gesprochen habe. Die Kinder wurden dabei immer verwirrter.“

Derartige Erfahrungsberichte sind keine Seltenheit. Noch immer raten (einsprachige) Erzieher/innen und Lehrer/innen Eltern häufig, mit ihrem Kind „nur Deutsch“ zu sprechen, ohne die Folgen für Mutter und Kind zu bedenken. Beratung, die auf fachlichem Wissen über frühkindliche Zweisprachigkeit basiert und sich zudem an der individuellen Situation der jeweiligen Familie orientiert, scheint nach wie vor eher die Ausnahme denn die Regel zu sein.

In zweisprachigen Einrichtungen gilt gerade die Zweisprachigkeit als Erziehungsziel. Daher erhalten zweisprachig erziehende Eltern hier selbstverständlich Unterstützung. Meist hat das pädagogische Personal sowohl fachliche als auch auf Erfahrung basierende Qualifikationen, auf deren Grundlage sie fachkompetente Beratung bieten können. Ein weiterer positiver Effekt von zweisprachigen Einrichtungen ist der Kontakt, der zu anderen zweisprachigen Familien hergestellt wird, und der von zweisprachig erziehenden Eltern als große Unterstützung empfunden wird.
Zweisprachigkeit im Kontext sozialer Netzwerke
 


Insgesamt zeigt sich, dass der selbstverständliche Umgang mit Zweisprachigkeit in zweisprachigen Kindergärten sowohl ein konsequentes Erziehungsverhalten unterstützt (hier: 53% Konsequenz in zweisprachigen, 16% in einsprachigen Einrichtungen), als auch die Zufriedenheit der Eltern mit dem gesamten Prozess der zweisprachigen Entwicklung und Erziehung ihrer Kinder (hier: 90% sehr zufriedene Mütter in zweisprachigen Einrichtungen, 43% in einsprachigen). Entsprechend wünscht sich die überwiegende Mehrheit zweisprachig erziehender Eltern zweisprachige Kindergärten: In der hier zitierten Studie erachten 65% der befragten Mütter die Möglichkeit, ihr Kind in einen zweisprachigen Kindergarten schicken zu können, als sehr wichtig, 17% als ziemlich wichtig und nur 5% als nicht wichtig. Zufrieden sind mit dem Angebot zweisprachiger Einrichtungen dagegen nur 20%. 81% der Mütter, deren Kinder einen einsprachigen Kindergarten besuchen, würden ihr Kind lieber in einen zweisprachigen Kindergarten schicken, können dies aus Mangel an derartigen Einrichtungen jedoch nicht.

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Bildungspolitische Konsequenzen

Aus den dargestellten Zusammenhängen ergeben sich folgende Forderungen an Bildungspolitik und Wissenschaft:

  • Initiierung und Unterstützung von Forschungen in Bereich Zweisprachigkeit
     
  • Unterstützung der wissenschaftlichen Entwicklung und Erprobung von Konzepten für zweisprachige Kindergärten und Schulen
     
  • Erhöhung des Angebotes an zweisprachigen Einrichtungen
     
  • Bereitstellung von Beratungsmöglichkeiten zu Zweisprachigkeit
     
  • Förderung eines unterstützenden Umgangs mit Zweisprachigkeit auch in einsprachigen Einrichtungen
    Empfehlungen für Erzieher/innen
     
  • Integration der Thematik in die Ausbildung von pädagogischen und medizinischen Fachkräften
     
  • Vermittlung von Grundlagen individuumszentrierter Beratung in pädagogischer Ausbildung

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