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zur frühkindlichen Zweisprachigkeit

 

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„Zweisprachigkeit?
Was ist das eigentlich?“

Zweisprachigkeit ist...

"Machst Du mir
die τσάντα zu?"
Sprachen in Kontakt

"Ich will deine
doofe Sprache nicht!"

Zweisprachige Entwicklung

7. Auflage 2016! Ratgeber der Verfasserin dieser Seiten:



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"Man kann nicht
immer konsequent sein."
Zweisprachige Erziehung

"Es kommt auch
auf das Umfeld an."

Zweisprachigkeit
im Kontext sozialer Netzwerke

"Ein zweisprachiger Kindergarten
wäre optimal!"

Mehrsprachigkeit im Bildungssystem

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 „Man kann nicht immer konsequent sein“
Zweisprachige Erziehungsprozesse

In die folgenden Ausführungen sind Ergebnisse einer empirischen Studie eingeflossen, in der hundert Mütter aus griechisch-deutschen Familien interviewt wurden: griechische Mütter in Deutschland und deutsche Mütter in Griechenland, d.h., dass die Mutter jeweils die Nichtumgebungssprache sprach. Zur generellen Frage: Wie erwerben Kinder Sprache:www.sprachfoerderung.info

Die Methode „eine Person – eine Sprache“ besagt, dass jedes Elternteil eine andere Sprache (meist seine eigene Muttersprache) mit dem Kind spricht. Für eine griechisch-deutsche Familie in Deutschland würde das bedeuten, dass die griechische Mutter mit ihrem Kind griechisch, und der deutsche Vater deutsch spricht. Von der Sinnhaftigkeit dieser Methode sind die meisten der betroffenen Eltern grundsätzlich überzeugt: Fast alle (hier: 97%) sind der Meinung, dass Mutter und Vater mit ihrem Kind grundsätzlich ihre eigene Muttersprache sprechen sollten, und dass eine kon­sequente Anwendung der Methode „eine Person – eine Sprache“ den Spracherwerbsprozess des Kindes unterstützt (hier: 75%).

Die praktische Umsetzung ist jedoch mit Schwierigkeiten verbunden, die vor allem das Elternteil betreffen, welches die Sprache spricht, die nicht Sprache des Landes ist, in dem die Familie lebt – die sog. Nichtumgebungssprache. Ein Großteil (hier: 83%) von ihnen spricht zwar in den ersten Lebensjahren des Kindes noch konsequent mit ihm die diese Sprache. Viele von ihnen (hier: 66%) werden jedoch mit der Zeit inkonsequent und sprechen mit ihrem Kind zunehmend die Umgebungssprache. Insbesondere die Anwesenheit von Personen, die die Nichtumgebungssprache nicht verstehen, führt in vielen Fällen (hier: 64%) zu einem Wechsel in die Sprache der Umgebung.
 


 

Die Diskrepanz zwischen dem eigenen Anspruch an das Spracherzie­hungsverhalten und den Schwierigkei­ten seiner praktischen Umsetzung wird von den Betroffenen häufig als Konflikt empfunden, der sich in einem Gefühl der Unzufriedenheit, der Schuld und des Versagens niederschlägt: 93% der konsequenten Mütter geben an, sehr zufrieden mit dem gesamten Verlauf des zwei­sprachigen Ent­wicklungs- und Erziehungsprozesses sind, dagegen nur 43% der Inkonsequenten.

Eine deutsche Mutter in Thessaloniki:
"Ich bin nicht sehr zufrieden. Ich bin selbst schuld, denn ich spreche selbst auch viel griechisch mit den Kindern. Ich müsste mich mehr dahinter klemmen."

Eine griechische Mutter in München:
"Ich habe immer mehr deutsch gesprochen. Im nachhinein ist die Trauer massiv und das Bedauern tief, dass meine Kinder mit mir nicht griechisch sprechen. Mit meiner vierten Tochter habe ich dann sehr viel griechisch gesprochen."

Ursachen sowohl für die Schwierigkeit, die Methode konsequent umzusetzen, als auch für das Gefühl der Unzufriedenheit sind zum einen in Persönlichkeitsmerk­malen, wie z.B. Um­gang mit Höflichkeitsformen, Selbst­bewusstsein, der persönliche Bezug zum Herkunftsland zu suchen. Aber auch zahlreiche äußere Faktoren haben einen Einfluss:

Sprachkenntnisse des Ehepartners

Die geringen Griechischkenntnisse eines deutschen Vaters in einer griechisch-deutschen Familie können mit der Zeit dazu führen, dass die griechische Mutter in seiner Gegenwart deutsch anstatt griechisch mit dem Kind spricht (hier: in 77% der Fälle): Im Alltag ist es einfacher, direkt für alle ver­ständlich deutsch zu sprechen, als sich dem Kind gegenüber in griechisch zu äußern und das Gesagte anschließend für den Partner zu über­setzen.

Bei guten Sprachkenntnissen des Partners entfällt dagegen die Notwendigkeit der Übersetzung, was wiederum die Verwendung der griechischen Sprache innerhalb der Familie vereinfacht.

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Sprachliche Zusammensetzung des sozialen Netzwerkes

Ein konsequentes Spracherziehungsverhalten wird durch ein soziales Netzwerk erschwert, in dem ein Großteil der Personen nur die Umgebungssprache versteht und spricht. Viele fühlen sich ausgeschlossen oder empfinden es als unhöflich, wenn in ihrer Gegenwart eine Sprache gesprochen wird, die sie nicht verstehen (egal, ob das gesagte sie betrifft oder nicht). In derartigen Situationen wechseln viele Eltern (hier: 64%) auch im Gespräch mit ihrem Kind in die Sprache der Umgebung.

In Gegenwart von Personen, die selbst die Nichtumgebungssprache sprechen, ist ihre Verwendung dagegen ganz natürlich und selbstverständlich. Kontakte zu ihnen unterstützen ein konsequentes Spracherziehungsverhalten und eine generelle Zufriedenheit mit der zweisprachigen Lebenssituation.
Zweisprachigkeit im Kontext sozialer Netzwerke

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Kontakte zu Personen, die selbst Erfahrung mit Zweisprachigkeit haben

Kontakte zu Personen, die selbst Erfahrungen mit Zweisprachigkeit haben – sei es, weil sie selbst zweisprachig sind, oder weil sie auch in einer gemischtsprachigen Ehe leben – wirken sich sowohl auf das konse­quente Spracherziehungsverhalten als auch auf die all­gemeine Zufrie­denheit mit der zweisprachigen Situation positiv aus: In ihrer Gegenwart wird Zweisprachigkeit als Nor­malität erlebt, werden Spracherziehungsmodelle, Ratschläge und Infor­mationen geboten und generell das Gefühl vermittelt, dass schwierige Pha­sen des zweisprachigen Ent­wicklungs- und Erziehungs­prozesses keine Aus­nahme dar­stellen.
Zweisprachigkeit im Kontext sozialer Netzwerke

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Einstellungen des sozialen Netzwerkes

Ein hoher Anteil an generell positiv eingestellten Netzwerkpersonen unterstützt sowohl das konsequente Verhalten der Eltern als auch ihre Zufriedenheit.
Zweisprachigkeit im Kontext sozialer Netzwerke

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Sprachprestige

98% der deutschen Mütter in Griechenland erlebten eine ausdrückliche Wertschätzung ihrer Muttersprache („Ah, Ihr Kind lernt deutsch! Das ist aber toll!“), griechische Mütter in Deutschland dagegen nur zu 68%. Sie erfuhren mit 43% eine ablehnende Haltung („Was soll das Kind denn mit Griechisch?“) – deutsche Mütter in Griechenland nur zu 18%. Auch die negativen Meinungen, im Land sei nur die Landessprache wichtig (GR: 33%, D: 52%) und Zweisprachigkeit sei eine Überforderung für das Kind (GR: 48%, D: 88%), wurden den griechischen Müttern in Deutschland gegenüber häufi­ger geäußert.

Ein hohes Sprachprestige beeinflusst das konsequente Spracherziehungsverhalten und die Zufriedenheit der Eltern mit dem gesamten Verlauf des zweisprachigen Entwicklungs- und Erziehungsprozesses: In Griechenland verhalten sich 33% der Mütter konsequent und 63% sind sehr zufrieden. In Deutschland verhalten sich dagegen nur 20% konsequent und 48% sind sehr zufrieden.

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Verweigerung des Gebrauchs der Nichtumgebungssprache durch das Kind

Kinder verweigern häufig (hier: zu 76%) indirekt oder direkt den Gebrauch der Nichtumgebungssprache, also z.B. des Deutschen in Griechenland. Dieses Verhalten steht in einem wechselseitigen Zusammenhang mit dem Spracherziehungsverhalten: Spricht die deutsche Mutter ihr Kind auf deutsch an, und dieses antwortet auf griechisch, hat dies oft (hier: in 46% der Fälle) zur Folge, dass nun auch die Mutter in die griechische Sprache wechselt. Um­gekehrt for­dert die Inkon­sequenz der Mutter diejenige des Kindes heraus.

Eine deutsche Mutter in Thessaloniki:
"Sie hat angefangen, griechisch mit mir zu sprechen. Ich habe versucht, beim Deutschen zu bleiben, aber ich bin zunehmend auch zum Griechischen gekommen."

Zweisprachige Entwicklung

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Förderung der Nichtumgebungssprache in Kindergarten und Schule

Die sprachliche Ausrichtung von Kindergarten und Schule hat einen indirekten und einen direkten Einfluss auf das Spracherziehungsverhalten der Eltern: Die Feststellung, dass im Kindergarten ausschließlich die Umgebungssprache gesprochen wird, ist bei vielen Kindern (hier: 84%) der ausschlaggebende Moment, den Gebrauch der Nichtumgebungssprache zu verweigern, was wiederum eine konsequente Verwendung der Nichtumgebungssprache erschwert: Der Prozentsatz konsequenter Mütter ist in einsprachigen Kindergärten mit 16% deutlich geringer als in zweisprachigen (53%): Hier erleben die Kinder Zweisprachigkeit als etwas normales und Verweigerungen treten seltener auf (hier: in 58% der Fälle).

Hinzu kommt, dass in einer zweisprachigen Einrichtung beide Sprachen gleichberechtigt gefördert werden. Dadurch wird dasjenige Elternteil, welches die Nichtumgebungssprache in der Familie vertritt, entlastet: es liegt nicht mehr allein in seiner Verantwortung, ob und wie gut das Kind die Sprache erwirbt.

Zudem wird hier fachkompetente Beratung durch erfahrene Erzieher/innen geboten sowie Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zu Eltern, die sich in einer ähnlichen spracherzieherischen Situation befinden.

All dies schlägt sich auch in der Zufriedenheit der betroffenen Eltern mit dem gesamten Prozess der zweisprachigen Entwicklung und Erziehung nieder: der Prozentsatz sehr zufriedener Mütter ist im zweisprachigen Kindergarten (hier: 90%) wesentlich höher als im einsprachigen (hier: 43%).
Mehrsprachigkeit im Bildungssystem

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