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zur frühkindlichen Zweisprachigkeit

 

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„Zweisprachigkeit?
Was ist das eigentlich?“

Zweisprachigkeit ist...

"Machst Du mir
die τσάντα zu?"
Sprachen in Kontakt

"Ich will deine
doofe Sprache nicht!"

Zweisprachige Entwicklung

7. Auflage 2016! Ratgeber der Verfasserin dieser Seiten:



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"Man kann nicht
immer konsequent sein."
Zweisprachige Erziehung

"Es kommt auch
auf das Umfeld an."

Zweisprachigkeit
im Kontext sozialer Netzwerke

"Ein zweisprachiger Kindergarten
wäre optimal!"

Mehrsprachigkeit im Bildungssystem

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Προτάσεις
για γονείς

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Zweisprachigkeit ist...

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... zwei Sprachen zu verstehen und zu sprechen

Zweisprachigkeit bedeutet, zwei Sprachen verstehen und sprechen zu können. Wie sich dieses „Verstehen und Sprechen“ gestaltet, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Es hängt von den äußeren Rahmenbedingungen ab, unter denen sich ein zweisprachiger Mensch entwickelt und davon, wie er selbst mit seinen zwei Sprachen umgeht.

Es gibt verschiedene Meinungen darüber, ab welchem Grad des Verstehens und des Sprechens ein Mensch als zweisprachig zu bezeichnen ist. Zweisprachige selbst sagen oft, dass Zweisprachigkeit für sie bedeutet, in zwei Sprachen zu denken und zu fühlen.

Auch die Frage, wie die zwei Sprachen „innerhalb“ der Person organisiert sind, wird kontrovers diskutiert. Einsprachige haben häufig die Vorstellung, dass die Sprachen eines zweisprachigen Menschen gänzlich voneinander getrennt sind und sich gegenseitig nicht beeinflussen (dürfen). Dem Empfinden vieler Zweisprachiger entspricht dagegen das Modell des „Sprachkontaktes“, nach dem es ganz natürlich ist, dass die Sprachen „innerhalb“ der Person miteinander in Kontakt treten. Dies kann sich darin äußern, dass die Person in zwei Sprachen denkt oder die Sprachen vermischt. Derartige Phänomene mögen aus einsprachiger Sicht falsch oder unzulässig sein – für zweisprachige Menschen sind sie Ausdruck eines lebendigen Umgangs mit ihren vielfältigen sprachlichen Mitteln.

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... eine starke und eine schwache Sprache zu sprechen

Bei zweisprachigen Menschen sind selten beide Sprachen in gleicher Art und Weise ausgebildet. Meist haben sie eine starke und eine schwache Sprache. Welche Sprache stark und welche die schwächere ist, kann von unterschiedlichen Faktoren abhängen:

  • Lebensalter 
    Die beiden Sprachen zweisprachig aufwachsender Kinder entwickeln sich bisweilen in recht unterschiedlichem Tempo. Es ist möglich, dass ein Kind in den ersten Lebensjahren zwar beide Sprachen versteht, aber nur eine aktiv gebraucht – dies wäre dann die stärkere Sprache.
  • Sprachverteilung in der Familie
    In den ersten Lebensjahren hängt die Gewichtung starke / schwache Sprache im Wesentlichen von der Sprachverteilung innerhalb der Familie ab: Welche Sprache spricht der Vater, welche die Mutter mit dem Kind? Wer verbringt mehr Zeit mit ihm? Welche Sprache sprechen Geschwister untereinander?
  • Land, in dem die Person lebt
    Häufig ist die Landesprache besser ausgebildet als die Nichtumgebungssprache, denn sie wird öfter und in den unterschiedlichsten Situationen gehört und verwendet. Lebt also ein deutsch-griechischsprachiges Kind in Deutschland, ist wahrscheinlich die deutsche Sprache stärker, hält es sich in Griechenland auf, wird es die griechische Sprache sein.
  • Aktuelle sprachliche Kontakte
    Es ist denkbar, dass eine griechisch-deutschsprachige Person in Deutschland mal mehr, mal weniger Kontakte zu anderen Griechen pflegt, somit mal mehr und mal weniger Griechisch spricht – und die griechische Sprache dadurch entsprechend stärker bzw. schwächer ausgebildet ist.
    Entscheidend ist in diesem Zusammenhang natürlich nicht nur die Anzahl der Kontakte, sondern auch die Bedeutung, die die einzelnen Menschen für die Person haben.

  • Gesprächsthema
    Je nach Thema wird in den Sprachen ein unterschiedliches Repertoire an Wörtern vorhanden sein, z.B., weil ein Thema hauptsächlich in einer Sprache gelernt wurde (z.B. Mathematik auf deutsch), oder weil es aus anderen Gründen eng mit einer Sprache verbunden ist (z.B. könnte ein Gespräch über die Alpen mit der deutschen, eines über das Mittelmeer mit der griechischen Sprache verknüpft sein).

  • Sprachliche Ebene
    Auch und gerade Gefühle lassen sich in unterschiedlichen Sprachen auf ganz verschiedene Weisen ausdrücken. Das Liebkosen eines Babys oder das Verfluchen eines Autofahrers klingt auf Griechisch ganz anders als auf Deutsch – und fühlt sich auch anders an! Eine Sprache kann hinsichtlich des Ausdrucks von Gefühlen die stärkere sein, während die andere gleichzeitig für rationale Überlegungen besser ausgeprägt ist.
  • Persönliche Motivation
    Empfindet eine Person eine Sprache als besonders wichtig oder wertvoll, kann sie diese ganz bewusst stärken.

Die Zweisprachigkeit einer Person ist also etwas Dynamisches: Der Stellenwert der Sprachen und der Grad ihrer Beherrschung kann sich im Laufe eines Lebens je nach Umfeld, Vorlieben, Aufenthaltsort etc. mehrmals verändern.

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... zwei Sprachen miteinander zu vermischen

Sprachmischungen, d.h. die Verwendung beider Sprachen innerhalb einer Äußerung („Ich möchte ψωμί (Brot)“) wird von einsprachigen Menschen manchmal als Zeichen dafür angesehen, dass die Person keine der beiden Sprachen richtig beherrscht. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch:

  • Kinder, die von Geburt an zweisprachig aufwachsen, mischen die Sprachen, weil sie über wenig Äquivalente in beiden Sprachen verfügen. Anders ausgedrückt: Sie erwerben zunächst einen übergreifenden Wortschatz, der sich aus Wörtern beider Sprachen zusammensetzt. Es ist denkbar, dass das griechische Wort für „Brot“ bereits erworben wurde – weil die griechische Mutter es häufig verwendet – das deutsche aber noch nicht. Zudem wird kleinen Kindern erst mit der Zeit bewusst, dass sie zwei Sprachen erwerben. Sprachmischungen stellen also bei Kindern eine ganz normale Sprachentwicklungsphase dar – schätzungsweise zwei Drittel der Kinder durchlaufen sie. Sie werden deshalb auch „naive (=kindliche) Sprachmischung“ genannt.
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  • Zweisprachige Jugendliche und Erwachsene vermischen ihre Sprachen, weil bestimmte Begriffe nur in der einen Sprache existieren, oder weil sich manches in einer der beiden Sprachen besser ausdrücken lässt als in der anderen, oder weil ganz einfach das Wort in der einen Sprache als erstes präsent ist. Sie tun dies jedoch nie, wenn sie sich mit einsprachigen Menschen unterhalten! Nur im Gespräch mit anderen Zweisprachigen ist dies möglich. Ein Gespräch Zweisprachiger untereinander ist sehr lebendig, da alle Sprachmittel eingesetzt werden können – im Gespräch mit Einsprachigen dagegen nur ein Teil.
     

  • Probleme können allerdings entstehen, wenn eine Person mit anderen Zweisprachigen ausschließlich in einer Mischsprache kommuniziert, weil sie sich daran gewöhnen wird. Im Kontakt mit Einsprachigen fällt es ihr dann schwer, sich nur auf eine Sprache zu beschränken.

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... in zwei Sprachen zu denken und zu fühlen

Menschen, die von Geburt an mit zwei Sprachen aufgewachsen sind oder später eine zweite Sprache sehr intensiv erworben haben, denken auch in zwei Sprachen – abwechselnd in der einen und der anderen oder auch gemischt. Anders als im Gespräch muss man sich in Gedanken nicht nach den Sprachkenntnissen eines anderen Menschen richten ... oder darum, was andere denken, wenn man eine Sprache spricht, die sie nicht verstehen ... und kann alle sprachlichen Mittel, die einem zur Verfügung stehen, nach Lust und Laune einsetzen.

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... Gestik, Mimik und Melodie zweier Sprachen zu gebrauchen

Sprache besteht neben Wörtern auch aus Gestik, Mimik und Melodie. Das ist besonders im Umgang mit kleinen Kindern von Bedeutung, denn für sie sind diese nonverbale Elemente in der Kommunikation viel wichtiger als für Erwachsene. Sprachen unterscheiden sich untereinander hinsichtlich

  • Des grundsätzlichen Gebrauchs von Gestik, Mimik, Melodie: In manchen Sprachen – z.B. in der deutschen – ist die Gestik eher verhalten, die Satzmelodie relativ monoton. In anderen – z.B. im Griechischen – ist die Gestik ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation: Fakinos (1991: 96), selbst Grieche, schreibt: „Gesten begleiten nicht nur das gesprochene Wort, sie unterstreichen es, ergänzen es und ersetzen es häufig sogar. In manchen Fällen ist ihre Ausdruckskraft dazu geeignet, das daneben gesprochene Wort als arm, überholt, ja unnütz erscheinen zu lassen. Im Bewusstsein ihrer Unterlegenheit laufen die Sätze den Gesten hinterher, ohnmächtig, verschüchtert, ergeben.“ Auch die Melodie im Griechischen ist – wie in vielen anderen südländischen Sprache auch – wesentlich lebhafter als im Deutschen.
     

  • Der Bedeutung einzelner Gesten. Diese kann je nach Sprache unterschiedlich sein.

Bei zweisprachigen Menschen kann man beobachten, dass sie mit Wechsel der Sprachen durch Übernahme der verschiedenen Gesten und Melodien auch ihren gesamten Habitus ändern. Sie wirken dann „wie ein anderer Mensch“ – und fühlen sich oft auch so...

Es gibt Hinweise darauf, dass das Aufwachsen mit zwei Systemen von Gestik, Mimik und Melodie die Entwicklung einer erhöhten Sensibilität für nonverbale Kommunikation unterstützt (Leist, 1996).

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... sich in zwei Sprachkulturen zu bewegen

Man stelle sich vor, ein kleines Kind zeigt auf einen korpulenten Mann und sagt laut: „Der ist aber dick!“ Das Kind hat sich sowohl der Wortwahl und Grammatik als auch der Gestik korrekt bedient – und wird dennoch kein Lob für seine Äußerung erhalten, denn: Neben Worten, Gestik und Mimik sind in zwischenmenschlicher Kommunikation auch sprachkulturelle Konventionen von Bedeutung: Was darf man sagen, und was nicht? Wie grüßt man sich unter welchen kulturellen und kontextuellen Umständen (z.B. die Beziehung der Gesprächspartner zueinander betreffend, oder den Anlass ihrer Kommunikation)? Wie nahe kommt man seinem Gegenüber im Gespräch?

 

 

Die Antworten auf diese Fragen fallen je nach sprachkulturellem Hintergrund unterschiedlich aus. Kinder, die von Geburt an zweisprachig aufwachsen, erwerben also nicht nur zwei Verbalsprachen, und zwei Systeme von Gestik und Mimik, sondern auch zwei u.U. sehr unterschiedliche Systeme von Konventionen. Die frühe Erfahrung mit diesen unterstützt die Entwicklung einer Sensibilität für Konventionen und nonverbales – Fähigkeiten, die in der interkulturellen Kommunikation und damit für ein Leben in Europa von großer Bedeutung sind.

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... keine Überforderung

In den 60er Jahren war die Meinung verbreitet, dass Zweisprachigkeit eine Überforderung sei: Der Erwerb zweier Sprachen belaste das Gehirn zuungunsten anderer kognitiver Leistungen und könne gar zu Schizophrenie führen. Diesen Vorurteilen zugrunde lag zum einen die Vorstellung, dass Sprache – Nation – Weltbild unmittelbar miteinander verknüpft sind, und ein Mensch mit zwei Sprachen auch zwei u.U. sich widersprechende Weltbilder erwirbt. Zum anderen ergaben Intelligenztests bei zweisprachigen Kindern niedrigere Werte als bei einsprachigen. Diese Untersuchungen waren jedoch forschungsmethodisch höchst undifferenziert – die Vergleichsgruppen waren z.B. hinsichtlich sozialer Faktoren einander nicht angeglichen – und es wurde nicht klar definiert, ab wann ein Kind überhaupt als zweisprachig zu bezeichnen ist.

Nachfolgende Untersuchungen zeigten andere, gegenteilige Resultate. Zum Teil erzielten zweisprachige Kinder hier höhere Intelligenzwerte, als einsprachige. Die Aussagekraft von Intelligenztests generell muss aber kritisch gesehen werden. Als sicher gilt aber, dass der Erwerb zweier Sprachen ein höheres Sprachbewusstsein hervorruft, welches letztendlich auch die Fähigkeit zum abstrakten Denken unterstützen kann.

Es gibt keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür, dass Kinder durch den Erwerb von zwei Sprachen überfordert sind, im Gegenteil. Aber: Sehr wohl können die Rahmenbedingungen die den Erwerb der Sprachen begleiten, ein Kind überfordern!

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... begleitet von unterschiedlichen Rahmenbedingungen

Diese sind vielfältig und individuell sehr unterschiedlich:

  • Ort des Spracherwerbs
    Wächst das Kind einer einsprachigen Umgebung auf, oder in in einem mehrsprachigen Land (z.B. Luxemburg), in dem Zwei/Mehrsprachigkeit selbstverständlich im Alltag gelebt und im Bildungssystem gefördert wird?
     

  • Zeitpunkt und Art des Spracherwerbs
    Erwirbt das Kind beide Sprachen gleichzeitig von Geburt an auf spielerische Weise (natürlicher Erwerb) oder wächst es zunächst mit einer Sprache auf, und erlernt eine zweite durch gezielte Vermittlung in einem Sprachunterricht (gelenkter Erwerb)? Während sich der natürliche Erwerb kleiner Kinder tatsächlich spielerisch, intuitiv und zunächst ohne spürbare Anstrengung vollzieht, geht der gelenkte Erwerb mit bewusstem Lernen (z.B. von Vokabeln, Grammatik) einher. Eine Altersgrenze für den Erwerb einer zweiten Sprache gibt es nicht, aber die bewusste Anstrengung, die ein Mensch dafür aufbringen muss, wird mit zunehmendem Alter immer größer. Insbesondere die Aussprache einer Zweitsprache ist für einen Erwachsenen schwer zu erwerben, denn sie entwickelt sich bereits innerhalb der ersten Lebensmonate!
     

  • Spracherziehungsmethode
    Welchen Stellenwert hat Sprache grundsätzlich innerhalb der Familie? Sprechen die Eltern viel mit ihren Kindern – schaffen sie eine sprachanregende Umgebung? (Zu kindlichen Spracherwerbsprozessen und deren Unterstützung s. ausführlich:
    www.sprachfoerderung.info).

    Wer spricht mit dem Kind welche Sprache? Das hängt von den Muttersprachen der Eltern ab. Ist die Muttersprache beider Elternteile eine Nichtumgebungssprache (z.B. Griechisch in Deutschland) wird ihr Kind die Sprache der Eltern als Familiensprache, die Sprache des Landes als Umgebungssprache erwerben. Haben die Eltern unterschiedliche Muttersprachen, wird meist die Methode „eine Person – eine Sprache“ angewandt, nach der Mutter und Vater jeweils ihre Sprache mit dem Kind sprechen. Dies erscheint auf den ersten Blick einfach, ist jedoch besonders für die Mütter oder Väter, die die Nichtumgebungssprache in der Familie vertreten, häufig mit Schwierigkeiten verbunden: Einerseits sind sie von der Sinnhaftigkeit der Methode überzeugt und bemühen sich, mit ihrem Kind konsequent nur die Nichtumgebungssprache zu sprechen. Andererseits erleben sie, dass sie – oft unbewusst und ungewollt – in zahlreichen Situationen in die Umgebungssprache wechseln, so z.B. in Anwesenheit von Personen, die die Nichtumgebungssprache nicht verstehen, oder dann, wenn das Kind selbst die Verwendung der Nichtumgebungssprache verweigert.

    Diese Inkonsequenz zieht oft das Gefühl von Unzufriedenheit und sogar Schuld nach sich. Es gilt, bewusste Entscheidungen über das eigene Sprachverhalten zu treffen, und dabei Kompromisse zwischen Anspruch und praktikabler Umsetzung zu finden.

    Zweisprachige Entwicklung
    Zweisprachige Erziehung
    Empfehlungen für Eltern

    Auch geringe Sprachkenntnisse des Ehepartners führen in den meisten Fällen zu Inkonsequenz:
     

  • Sprachkenntnisse der Eltern in beiden Sprachen
    Verstehen und sprechen beide Eltern beide Sprachen? In einer griechisch-deutschen Familie, in der die griechische Mutter zwar Deutsch, der Vater aber kein Griechisch versteht, wird die Mutter immer übersetzen müssen, was sie zu ihrem Kind gesagt hat. Dies ist auf die Dauer sehr mühsam und es ist gut möglich, dass sich die Mutter mit der Zeit immer öfter direkt in der deutschen Sprache an das Kind wendet. So verliert die griechische Sprache an Bedeutung.
     

  • Soziales Netzwerk
    Ein soziales Netzwerk umfasst die Sozialkontakte einer Person. Diese bestehen zum Teil aus Beziehungen, die durch Rollen festgeschrieben sind – z.B. Verwandte, Nachbarn. Andere – z.B. Ehepartner, Freunde, Bekannte – werden in das Netzwerk einer Person durch diese selbst hinein gewählt.

    Befinden sich in den sozialen Netzwerken von Eltern und Kind viele Menschen, die selbst zweisprachig sind oder die selbst die Nichtumgebungssprache sprechen? Sie spielen eine wichtige Rolle im Prozess zweisprachiger Entwicklung und Erziehung, weil das Kind durch sie auch außerhalb der Familie Gelegenheiten hat, die Nichtumgebungssprache zu hören und zu sprechen. Zudem bieten sie den Eltern die Möglichkeit, sich über Prozesse frühkindlicher Zweisprachigkeit auszutauschen und Rat einzuholen.
    Kontakte & Austausch

    Neben der sprachlichen Zusammensetzung können positive Einstellungen des sozialen Netzwerkes gegenüber Zweisprachigkeit und der jeweiligen Nichtumgebungssprache eine unterstützende Wirkung haben. 

    Zweisprachigkeit im Kontext sozialer Netzwerke
    Zweisprachige Entwicklung
    Zweisprachige Erziehung

    Einstellungen hängen eng zusammen mit dem Prestige einer Sprache:
     

  • Prestige der Sprachen
    Erwirbt das Kind Sprachen, die ein hohes Ansehen genießen? Das Prestige einer Sprache wird geprägt durch den Grad ihrer Standardisierung, durch ihre Verbreitung in der Welt und durch ihre ökonomische, religiöse oder kulturelle Bedeutung. Innerhalb einer Gesellschaft spiegelt sich das herrschende Sprachprestige in Einstellungen und in der Förderung der Sprache im Bildungssystem. So erlebten in der hier zitierten Studie 98% der deutschen Mütter in Griechenland eine ausdrückliche Wertschätzung ihrer Muttersprache („Ah, Ihr Kind lernt Deutsch! Das ist aber toll!“), griechische Mütter in Deutschland dagegen nur zu 68%. Sie erfuhren mit 43% eine ablehnende Haltung („Was soll das Kind denn mit Griechisch?“) – deutsche Mütter in Griechenland nur zu 18%.
     

  • Institutionelle Unterstützung
    Wird die betreffende Nichtumgebungssprache im Bildungssystem gefördert? Hat ein griechisch-deutsch aufwachsendes Kind die Möglichkeit, eine griechisch-deutsche Kindertagesstätte und Schule zu besuchen? Nur so kann langfristig die ausgewogene Förderung beider Sprachen gewährleistet werden.
    Mehrsprachigkeit im Bildungssystem

Der Erwerb zweier Sprachen von Geburt an stellt als solcher keine Überforderung für ein Kind dar. Jedoch können ungünstige Rahmenbedingungen ein zweisprachig aufwachsendes Kind in der Tat überfordern – z.B. ein generell spracharmes Umfeld; häufig wechselnde Erziehungsmethoden; geringe Kompetenzen der Eltern in der Sprache, die nicht ihre Muttersprache ist; wenig Kontakte zu Personen, die die Nichtumgebungssprache sprechen; ein negativ eingestelltes Umfeld; ein geringes Sprachprestige; fehlende institutionelle Unterstützung.
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Zweisprachige Erziehung

 

Insgesamt zeigt sich: Die Zweisprachigkeit gibt es nicht, vielmehr eine Vielzahl unterschiedlicher Bedingungen, unter denen Kinder zweisprachig aufwachsen. Eltern sollten sich diese bewusst machen, wenn sie Entscheidungen über die zweisprachige Erziehung ihres Kindes treffen möchten.
Empfehlungen für Eltern

Erzieher/innen sollten dem Umgang mit zweisprachigen Kindern und in der Beratung der Eltern eine individuumsbezogene Sichtweise zugrunde legen.
Empfehlungen für Erzieher/innen

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...Voraussetzung für Handlungsfähigkeit

Ein Kind, das (aus welchen Gründen auch immer) in einer zweisprachigen Lebenswelt aufwächst, braucht beide Sprachen, um in beiden sprachlichen Umfeldern handlungsfähig zu sein und partizipieren zu können. Dies wird in Diskussionen um Zweisprachigkeit leider häufig übersehen.

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... eine Ressource

Zwei oder mehr Sprachen fließend sprechen zu können, das ist im heutigen Europa eine individuelle und gesellschaftliche Ressource. Je mehr Sprachen ein Mensch spricht, desto mehr Zugänge zu den einzelnen Ländern eröffnen sich ihm. Aber auch unabhängig von den konkreten Sprachen erwerben Kinder, die zweisprachig aufwachsen, interkulturelle Kommunikationskompetenz: Sie lernen von Geburt an einen selbstverständlichen Umgang mit verschiedenen Sprachgruppen.

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... in Europa zur Normalität geworden – im Bildungssystem dagegen nicht ...

Frühkindliche Zweisprachigkeit stellt im vereinten Europa längst keine Ausnahme mehr dar. Durch flexible Wahl des Arbeitsortes, wirtschaftliche Kooperationen über nationale Grenzen hinweg, Wanderungsbewegungen und durch Angehörige der zweiten und dritten Einwanderergeneration kommt es mit stetig steigender Tendenz dazu, dass Ehen zwischen Menschen unterschiedlicher Muttersprache geschlossen werden: In Deutschland waren im Jahr 1991 3% aller Ehen mit Kindern unter 18 Jahren binational, 2001 waren es bereits 4,5%, 2004 6% und 2014 9%. 
Im Jahr 2014 wurde jede achte Ehe (=12% aller Ehen) in Deutschland zwischen Partnern deutscher und nicht-deutscher Herkunft geschlossen. In 2,5% aller Eheschließungen waren beide Partner nicht-deutscher Herkunft. 

So entstehen immer häufiger zweisprachige Umwelten, in die Kinder hineingeboren, in denen sie sich entwickeln und in denen sie sozialisiert werden. Im Jahr 2014 wuchsen allein in Deutschland 1126.000 Kinder in binationalen Familien auf, das sind 12% aller Kinder unter 18 Jahren.* 

Betrachtet man allein die unter Sechsjährigen, so sind es sogar 14%, die in diesem für den Spracherwerb entscheidenden Alter in binationalen Familien aufwuchsen. Hinzu kommen 12% in Familien mit zwei Partnern nicht-deutscher Herkunft. Insgesamt wuchsen somit im Jahr 2014 26% aller unter sechsjährigen Kinder in Deutschland potentiell zweisprachig auf (Alle Daten: Statistisches Bundesamt, 2016).* 

*In Wahrheit sind diese Zahlen höher, da hier als Kriterien erstens die Staatsangehörigkeit und zweitens die Ehe zugrunde gelegt sind. Erfasst sind also weder diejenigen Familien, in denen Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben, noch diejenigen Kinder, die nicht bei Ehepaaren leben.

Eine logische Konsequenz wäre nun, auch das Bildungssystem stärker mehrsprachig auszurichten, um zweisprachig aufwachsende Kinder adäquat und effektiv in ihrer Gesamtentwicklung fördern zu können. Obwohl es vereinzelt zweisprachige Kindergärten und Schulen gibt, setzte sich dieses Modell nicht durch: Nur die Sprachen, denen ein hohes Prestige (Englisch, Französisch) zugeschrieben wird, sind im Bildungssystem wie selbstverständlich vertreten. So kommt es zu dem Paradoxum, dass die Sprachkenntnisse von Kindern, die bereits zweisprachig sind, wenn sie in den Kindergarten kommen, nicht systematisch gefördert werden und u.U. mit der Zeit verkümmern. Gleichzeitig müssen sich alle Kinder darum bemühen, eine Fremdsprache zu lernen.
Mehrsprachigkeit im Bildungssystem

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